Private Pflegezusatzversicherung

Pflegebedürftigkeit ist eine Gefahr, die über jeden von uns lauert. Sie tritt ein, wenn eine Person wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Erkrankung sechs Monate oder mehr hilfsbedürftig ist.

Eine private Pflegezusatzversicherung ist empfehlenswert, da die gesetzliche Pflegeversicherung die Kosten im Pflegefall nur teilweise abdeckt. Die Zusatzversicherung ist in der Lage, die Lücke zwischen den gesetzlichen Leistungen im Pflegefall und den tatsächlichen Pflegekosten zu schließen.

 

Welche Pflegezusatzversicherungen gibt es?

Zu den privaten Pflegeergänzungsversicherungen gehören die Pflegerentenversicherung sowie Pflegekostenversicherung. Nicht zu vergessen, die Pflegetagegeldversicherung sowie die staatlich geförderte Zusatzpflegeversicherung (auch Pflege-Bahr genannt).

Wie vor dem Abschluss anderer Versicherungen lohnt es sich, bei privaten Pflegezusatzversicherungen sich mit einem Tarifrechner zu bemühen und einen Vergleich vorzunehmen, da sich die vielen Angebote in den Konditionen stark unterscheiden. Auf diese Weise erhalten Interessierte eine auf die persönlichen Verhältnisse abgestimmte, günstige Police.

 

Unterschiede einzelner Zusatzversicherungen

Gegen eine monatliche Prämie oder einen Einmalbetrag erhält der Versicherte bei Eintritt des Pflegefalls eine lebenslange Pflegerente ausbezahlt. Deren Höhe hängt vom Pflegegrad ab. In der Regel liegt die Rente zwischen 200,- und 3.000,- Euro. Zusätzlich lässt sich die Leistung der Police um eine Todesfallleistung und Altersrente ab dem 80. Lebensjahr erweitern.

Die private Pflegetagegeldversicherung zahlt bei Nachweis der Pflegebedürftigkeit ein vorher vereinbartes Tagegeld aus. Den Tagessatz können Versicherte bei Antragseinreichung entsprechend flexibel festlegen. Je nachdem mit welchen Kosten man im Pflegefall rechnet.

Anders verhält es sich bei der privaten Pflegekostenversicherung, deren Leistungen sich an den tatsächlichen Pflegekosten orientieren. Abhängig vom Tarif bezahlt die Versicherung nach Abzug der Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung die verbleibenden Kosten anteilig oder im vollen Umfang.

 

Staatliche Förderung von Pflegetagegeld

Bei der Pflegerentenversicherung, die viele Lebensversicherungen anbieten, gibt es keine staatliche Förderung wie bei der Pflegetagegeldversicherung. Gleiches gilt für die Pflegekostenversicherung. Lediglich für das geförderte Pflegetagegeld mit dem umgangssprachlichen Namen Pflege-Bahr gibt es einen staatlichen Zuschuss.

Pflege-Bahr bedingt eine auf den Namen des Betroffenen abgeschlossene förderfähige Pflegezusatzversicherung. Hier kommt nur eine Pflegetagegeldversicherung infrage. Wer einen Beitrag von monatlich zehn Euro in die Pflegetagegeldversicherung leistet, ist in der Lage, einen monatlichen Zuschuss von fünf Euro zu beanspruchen. Maximal lässt sich die doppelte Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung absichern.

Neben dem Mindestbeitrag von zehn Euro im Monat ist eine weitere Voraussetzung für Pflege-Bahr die Vollendung des 18. Lebensjahres. Ferner setzt die Absicherung voraus, dass der Interessierte zum Zeitpunkt der Antragstellung keine Pflegeleistungen erhält.

Neben dem Versicherten muss auch die Versicherungsgesellschaft Voraussetzungen erfüllen. Das bedeutet, sie steht in der Pflicht, in allen fünf Pflegegraden Leistungen zu erbringen. In Pflegegrad 5 sind es 600,- Euro oder mehr monatlich. In den anderen Pflegegraden ist es zum Beispiel ein prozentualer Anteil von der ausgemachten Leistung für den Pflegegrad 5. Je nach Pflegeversicherung und Tarif kann das zwischen 10 und 40 Prozent sein. Das Geld steht dem Pflegebedürftigen zur freien Verfügung.

 

Welche Pflegezusatzversicherung ist für wen sinnvoll?

Die Pflegekostenversicherung zählt zu den günstigsten und am wenigsten flexiblen Pflegezusatzversicherungen. Der Grund ist, dass sie verlangt, die tatsächlichen Pflegekosten gegen Vorlage von Einzelrechnungen mit der Versicherung direkt abzurechnen. Geeignet ist diese Variante der Pflegekostenzusatzversicherung, wenn sich jemand sicher ist, in der Zukunft professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wer vorhat, sich von Angehörigen pflegen zu lassen, der tut gut daran, sich nach einer Pflegerenten- oder Pflegetagegeldversicherung umzusehen. In diesem Fall lassen sich Leistungen aus der Pflegekostenversicherung nicht erwarten.

Im Vergleich mit der Pflegetagegeldversicherung weist die Pflegerentenversicherung mehr Vorteile auf. Ihr wesentlicher Nachteil: Wegen der zusätzlichen enthaltenen Sparanteile ist sie wesentlich teurer. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Menschen für die Pflegetagegeldversicherung.

Pflege-Bahr eignet sich vor allem für Menschen mit einer schweren Vorerkrankung wie Krebs oder MS (multiple Sklerose). Für diesen Personenkreis ist diese Absicherung oftmals der einzige Weg, sich abzusichern, da Versicherer keine Gesundheitsfragen stellen.

Der Nachteil der förderfähigen Pflegezusatzversicherung: Die fehlende Gesundheitsprüfung bewirkt, dass Versicherungen nahezu nicht in der Lage sind, das Risiko zu bewerten, was die Schadenquote erhöht. Auf diese Weise verteuert sich die Police, so dass sich die monatlichen fünf Euro oftmals nicht rentieren. Wer vorhat, von Pflege-Bahr zu profitieren, tut dies am besten, indem er online einen Vergleich der Angebote vornimmt. Auf diese Weise lässt sich bestimmen, ob sich die staatliche geförderte Pflegezusatzversicherung für ihn lohnt.

 

Wie lange sind die Wartezeiten?

Bei den Pflegezusatzversicherungen gibt es unterschiedliche Wartezeiten. In der Regel lässt sich mit einer Wartezeit von drei Jahren rechnen. Wenige Tarife kommen komplett ohne Wartezeit aus. Bei Pflege-Bahr beträgt die Wartezeit bis zum Beginn der Leistungspflicht maximal fünf Jahre.

 

Pflegezusatzversicherung – lohnt sich das?

Die vielen Angebote an Pflegezusatzversicherungen weisen beträchtliche Unterschiede in den Konditionen auf. Aus diesem Grund achten Verbraucher im Idealfall auf folgende Punkte, wenn sie vorhaben, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen:

  • Wie definiert die Police den Versicherungsfall exakt?
  • Wie hoch ist der Leistungsumfang der Police?
  • Leistet die Versicherung bereits bei Eintritt einer Demenzerkrankung?
  • Bietet der Versicherer inflationsgeschützte Leistungen?
  • Verzichtet die Versicherungsgesellschaft auf das ordentliche Kündigungsrecht?
  • Gibt es Beitragsbefreiung im Leistungsfall?
  • Setzt der Leistungsanspruch die Inanspruchnahme von Leistungen der Pflegepflichtversicherung voraus?
  • Gibt es eine Wartezeit oder Karenzzeit? Wenn ja, wie hoch ist diese?
  • Zu welchem Zeitpunkt muss der Versicherte die Pflegebedürftigkeit beim Versicherer anzeigen?
  • Lassen sich die Leistungen bei veränderten gesetzlichen Bestimmungen (SGB XI) anpassen?