Gesundheitsreform in Deutschland

Mit der neuen Gesundheitsreform hat sich Deutschland klare Ziele gesetzt. Die Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung sollen stark vermindert werden, damit das Gesundheitssystem das jährliche Defizit verringert oder gar komplett auflöst. Die drastischen Maßnahmen zur Einsparung tragen natürlich alle gesetzlich Versicherten durch erhöhte Beiträge und Zuzahlungen. Aber auch andere drastische Maßnahmen wurden vollzogen.

 

Zeitplan der Gesundheitsreform

Die Gesundheitsreform ist ein langwieriger Prozess und dauert mehrere Jahre bis er vollständig abgeschlossen ist. Die neuen Regelungen werden stufenweise umgesetzt. Die erste Neuregelung begann im Jahr 2007 mit der Einführung der „Drei-Jahres-Regelung“ für Angestellte. Mit dieser Regelung ist es Angestellten nur gestattet in die private Krankenversicherung zu wechseln, wenn sie drei Jahre hintereinander über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient haben.

Im Folgenden finden Sie eine chronologische Abfolge der Umsetzungen für die gesetzliche und private Krankenversicherung.

01. Januar 2004

  • 10,- Euro Praxisgebühr pro Quartal
  • 10% Zuzahlung bei Arznei- und Hilfsmitteln – mindestens 5,- und höchstens 10,- Euro
  • 10,- Euro pro Krankenhaustag – begrenzt auf 28 Tage im Jahr
  • Keine Erstattungen mehr für Brillen oder andere Sehhilfen
  • Streichung der Kostenübernahme für Sterilisationen
  • 50% Erstattung für künstliche Befruchtungen für die ersten drei Versuche

02. Februar 2007

  • Einführung der „Drei-Jahres-Regelung“: Demnach dürfen Angestellte nur in die private Krankenversicherung wechseln, wenn sie drei Jahre nacheinander über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient haben
  • Stichtag für freiwillig versicherte Angestellte in der gesetzlichen Krankenversicherung für einen Wechsel in die private Krankenversicherung, sofern sie vorher über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient haben

01. April 2007

  • Für Selbstständige wird der Mindestbeitrag für die Krankenversicherung reduziert
  • Personen, die früher gesetzlich versichert waren, sind verpflichtet sich gesetzlich zu versichern, wenn sie keine Absicherung im Krankheitsfall haben
  • Neue Wahltarife für die gesetzliche Krankenversicherung werden eingeführt
  • Gesetzlich Versicherte können die Rehabilitationseinrichtungen frei wählen
  • Fusionen für gesetzliche Krankenkassen werden möglich gemacht, um den Wettbewerb zu stärken und Insolvenzen zu umgehen
  • Einführung der Kosten-Nutzen-Bewertung bei Arzneimitteln
  • Ausbau der medizinischen Versorgung, ambulante Behandlungen in Krankenhäusern werden ausgedehnt
  • Leistungserweiterung für Impfungen

01. Juli 2007

  • Verbesserung des Versicherungsschutzes für die private Krankenversicherung
  • Verbesserung des Standardtarifs für nichtversicherte Personen, die in die private Krankenversicherung eingeordnet werden

01. Januar 2008

Die Chroniker-Regelung wird präzisiert. Um die niedrigere Belastungsgrenze, in Höhe von einem Prozent, für chronisch Kranke in Anspruch nehmen zu können, müssen weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Dadurch soll die Verantwortung der gesetzlich Versicherten für die eigene Gesundheit erhöht und die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen gefördert werden.

01. November 2008

Die Bundesregierung legt den einheitlichen Beitragssatz für die gesetzlichen Krankenkassen fest.

01. Januar 2009

  • Einführung des Gesundheitsfonds
  • Alle Bürger der Bundesrepublik Deutschland sind verpflichtet krankenversichert zu sein
  • Für die private Krankenversicherung wird der Basistarif eingeführt – der Standardtarif existiert nicht mehr
  • Die Wechselmöglichkeit in den Basistarif wird zeitlich befristet

01. Januar 2011

  • Bündelung des Beitragseinzugs in der gesetzlichen Krankenversicherung: Dadurch können Arbeitgeber Versicherungsbeiträge für die gesetzliche Krankenversicherung gebündelt an eine Weiterleitungsstelle entrichten
  • Abschaffung der im Jahr 2007 eingeführten „Drei-Jahres-Regelung“: Angestellte dürfen nun schon in die PKV wechseln, wenn sie ein Jahr über der Versicherungspflichtgrenze verdient haben
  • Ausweitung der Arzneimittelrabatte auf die private Krankenversicherung

01. Januar 2015

  • Einführung des individuellen, prozentualen Zusatzbeitrags für gesetzlich Versicherte

 

Weitere wichtige Punkte zur Gesundheitsreform

Seit der Gesundheitsreform haben Selbstständige zeitweise ihren Anspruch auf ein Krankentagegeld verloren, wenn sie freiwillig gesetzlich versichert waren. Im Zuge der Gesundheitsreform sollten Selbstständige daher einen Wahltarif der gesetzlichen Krankenversicherungen mit einer Bindungsfrist von drei Jahren abschließen, eine private Krankentagegeldversicherung in Erwägung ziehen oder direkt in die private Krankenversicherung wechseln.

Der steuerfinanzierte Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung wird auf mehrere Milliarden Euro erhöht, da die gesetzlichen Krankenkassen aufgrund von zu hohen Kosten nicht überleben können. Viele Krankenkassen mussten daher in den vergangenen Jahren und auch in der Zukunft mit anderen Krankenkassen fusionieren. In Zukunft soll der staatliche Zuschuss für die gesetzlichen Krankenkassen weiter gesteigert werden. Sozialversicherungsbeiträge und Zuschüsse vom Staat werden über den Gesundheitsfonds an die gesetzlichen Krankenkassen verteilt. Die hohen Kosten und auch die Mitversicherung beitragsfreier Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung soll so finanziert werden.

Die Krankenkassen dürfen einen prozentualen Zuschlag zum Einkommen oder eine Kopfpauschale gegen die Versicherten erheben. Gesetzliche Krankenversicherungen, die weniger Kosten beanspruchen, können Ihren Versicherten auch Beiträge zurückerstatten.

Die Ärztevergütung wird pauschal gelöst und soll in Zukunft noch weiter gekürzt werden, worüber viele Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser Protest einlegten. Der Vergütungssatz ist in einer bundeseinheitlichen Gebührenordnung festgelegt. Viele Krankenhäuser schreiben aufgrunddessen mittlerweile rote Zahlen.

Eine Portabilität der Altersrückstellungen zwischen privater Krankenversicherung und gesetzlicher Krankenversicherung soll nicht stattfinden.

 

Kostendeckelung von Schutzimpfungen

Die Kosten für Schutzimpfungen sollen gesetzlich geregelt werden. Durch die Regelung von Schutzimpfungen sollen vor allem die Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen gesenkt werden.

Anlass für die Reduzierung der Kosten ist das Defizit im Gesundheitswesen. Da Schutzimpfungen in Deutschland sehr viel teurer sind als in anderen Ländern in Europa, sieht man hier Handlungsbedarf. Unternehmen, die Impfstoffe herstellen, sollte damit ein Riegel vorgeschoben werden, die Preise in Deutschland nicht in die Höhe schnellen zu lassen.

Durch die Minimierung der Aufwendungen für Impfungen profitieren in erster Linie gesetzliche Krankenkassen. Darüber hinaus haben private Krankenversicherungen natürlich auch einen Vorteil. Für private Krankenversicherungen werden durch die Maßnahme auch die Aufwendungen für Schutzimpfungen gesenkt. Dadurch kann die PKV die Kosten senken und den Versicherten einen erhöhten Leistungsumfang oder beitragsstabilere Versicherungsbeiträge bieten.

 

Krankenkassenwechsel schon nach 1 Jahr

Umstritten im Rahmen der Gesundheitsreform ist die Einjahresregelung für Angestellte, die nach einem Jahr bei einem Verdienst über der Jahresarbeitsentgeltgrenze in die private Krankenversicherung wechseln dürfen. Dadurch werden Beitragszahler früh die gesetzliche Krankenversicherung verlassen und in die private Krankenversicherung wechseln. Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen werden geringer, was zu Problemen führen und das Defizit erhöhen kann. Die Krankenkassen fürchten dadurch einen harten Einschnitt bei den Beitragseinnahmen.

Für die gesetzliche Krankenversicherung fallen somit mehrere Millionen Euro weg, die an Einnahmen fehlen. Dadurch müssen andere Wege gefunden werden, um die Kosten weiterhin decken zu können. Wahrscheinlich muss der Wegfall der Beitragszahler mit einem hohen Zusatzbeitrag ausgeglichen werden, was wiederum bedeutet, dass noch weitere versicherte Personen darüber nachdenken die Krankenkasse zu wechseln.